Neue Studie: Menschlicher Temperaturrhythmus typabhängig: Messergebnisse durch Biosensor überhaupt erst möglich

Neue Studie: Menschlicher Temperaturrhytmus typabhängig: Messergebisse durch Biosensor überhaupt erst möglich

Leipzig/Frankfurt am Main, 13.11.2017. Deutsche Wissenschaftler haben jetzt erstmals in einer Langzeitstudie die Dynamik der Körperkerntemperatur im Alltag analysiert. Diese hat einen charakteristischen Tag-Nacht-Rhythmus und gilt als ‚Zeiger an der inneren Uhr‘. Bei knapp 40 Frauen wurde bis zu 102 Tage lang konstant die Körperkerntemperatur gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Temperaturrhythmus sehr viel individueller verläuft als bisher angenommen.

Anhand ihrer Temperaturkurven kann man Frauen in ‚frühe` und ‚späte‘ Typen unterteilen. Zudem waren Wissenschaftler bisher von einem immer gleichen 24-Stunden-Rhythmus ausgegangen. Diese Annahme wurde jetzt widerlegt. Langfristig erwartet die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Horst-Werner Korf (Frankfurt am Main) und Prof. Dr. Henry Alexander (Leipzig) durch die Temperaturmessungen wichtige Hinweise zu Krankheiten mit Synchronisationsstörungen des Biorhythmus zu erhalten, wie z. B. Winterdepression, Alzheimer und Parkinson. 

Die Arbeit der deutschen Forschergruppe ist bedeutsam für die weitere Erforschung der inneren Uhr, deren Entdeckung 2017 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. US-Chronobiologen hatten in Laborversuchen ein sogenanntes period-Gen identifiziert, welches die innere Uhr und den Biorhythmus steuert.  

Ermöglicht wurde die Langzeitmessung durch eine Erfindung aus Deutschland. Der OvulaRing ist ein Biosensor, der im Körperinneren getragen wird und Daten zur Temperaturentwicklung aufzeichnet. Er fungiert in der Hauptsache als Zyklustracker und informiert Frauen über ihre fruchtbaren Tage. Doch er ist auch als Messinstrument für die medizinische Forschung von fundamentaler Bedeutung.

Bisher konnte die Körperkerntemperatur über einen längeren Zeitraum nur unter streng kontrollierten Bedingungen im Labor aufgezeichnet werden, jetzt ist dies rund um die Uhr im Alltag möglich. „OvulaRing hebt die Chronobiologie auf einen neuen Level. Erstmals können wir Langzeitmessungen unter Alltagsbedingungen machen“, erklärt Horst-Werner Korf.

Der Erfinder von OvulaRing, Henry Alexander, rechnet mit weiteren wichtigen Erkenntnissen für die Wissenschaft: „Die Auswertung von Langzeitmessungen der Körperkerntemperatur hat gerade erst begonnen. Mit jeder neuen Studie werden wir den menschlichen Biorhythmus weiter entschlüsseln.“ Der Reproduktionsmediziner erwartet zudem, dass seine Erfindung noch mehr Paaren helfen wird, ihren Kinderwunsch zu erfüllen: „Immer mehr Frauen wünschen sich exakte Angaben zu ihrem Eisprung. Der OvulaRing ist ein medizinisch erprobtes Messinstrument. Da er im Körperinneren getragen wird, ist er deutlich zuverlässiger als etwa auf der Haut getragene Zyklustracker oder Streifen, die die LH-Konzentration im Urin messen.“